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Die geheime Zeugnissprache

Bei der Interpretation im konkreten Fall ist Vorsicht geboten. Es ist keineswegs so, dass diese Formulierungen allen Arbeitgebern im Sinne einer allgemein gültigen Geheimsprache geläufig ist. Dies gilt erst recht für den Arbeitnehmer. Unter den Zeugnisschreibern befinden sich nämlich nicht nur sorgfältig formulierende Personalchefs, sondern gleichermaßen Unternehmen bzw. Vorgesetzte, für die das Abfassen eines Zeugnisses eine ungewohnte Arbeit bedeutet.

  • U: Er erfüllte die Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit.
  • A: Ein guter, verlässlicher Mitarbeiter.
  • K: Wir können ihn bestens empfehlen.
  • U: Er hatte persönliches Format.
  • A: Genoss allgemein Wertschätzung.
  • K: Man kann ihm schwierige Aufgaben anvertrauen.
  • U: Er arbeitete zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten.
  • A: Ein guter, verlässlicher Mitarbeiter.
  • K: Wir können ihn bestens empfehlen.
  • U: Er erfüllte die Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit.
  • A: Er tat seine Schuldigkeit, mehr aber nicht.
  • K: Braucht manchmal etwas Druck..
  • U: Er erledigte die Arbeiten mit beachtlichem Fleiß und Interesse.
  • A: Er hat sich redlich geplagt, es ist aber wenig herausgekommen.
  • K: Wenn er nicht überfordert und gut geführt wird, kann er etwas werden.
  • U: Er erledigte die Arbeiten immer ordnungsgemäß.
  • A: Bürokrat ohne Eigeninitiative.
  • K: Braucht Führung und Druck.
  • U: Er zeigte Verständnis für die anfallenden Arbeiten.
  • A: Ohne Fleiß und eigenen Antrieb.
  • K: Stellt die Niete ja nicht ein!
  • U: Er entsprach unseren Erwartungen.
  • A: Hatte durchwegs schlechte Leistungen.
  • K: Hoffnungsloser Fall.
  • U: Er hatte ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und vermied Spannungen.
  • A: Typischer Ja-Sager ohne eigenes Profil.
  • K: Spielt "Mädchen für alles" ohne Widerrede.
  • U: Er hat seine Mitarbeiter gut motiviert.
  • A: Brachte eine gute Personalführung.
  • K: Gebt ihm eine schwierige Gruppe, er wird zurechtkommen.
  • U: Er hatte fest gefügte Ansichten und wusste diese gut zu verkaufen.
  • A: Sturer, unangenehmer Mitarbeiter.
  • K: Wollen Sie laufend Streit in Ihrem Haus haben?
  • U:Sein Blick für das Wesentliche war gut ausgeprägt.
  • A:Ein Mitarbeiter mit stark ausgeprägter Zielstrebigkeit.
  • K:Geben Sie ihm eine schwierige, übergeordnete Aufgaben!
  • U:Er war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.
  • A:Wichtigtuer, unangenehm und aufdringlich.
  • K:Soll man sich jeden Ärger aufladen.
  • U:Die gebotene Leistung lag durchaus im Rahmen der Fähigkeiten.
  • A:Mühte sich, aber es kam nicht viel heraus.
  • K:Nur einstellen, wenn keine besseren Lösungen möglich sind.
  • U:Er war freundlich, hilfsbereit und loyal.
  • A:Nicht viel los, negative fachliche Leistung.
  • K:Schade, dass man ihn nicht auf Leistung bringen kann!
  • U:Für die Belegschaft zeigte er ein großes Einfühlungsvermögen.
  • A:Stellte während der Arbeitszeit den Damen nach.
  • K:Nur allein oder im Männerzirkel brauchbar!
  • U:Er trat für die Mitarbeiter ein.
  • A:Bei Vorgesetzten: Stopfte aufmüpfigen Mitarbeitern mit Gehaltserhöhungen den Mund!
  • K:Als Führungskraft fragwürdig.
  • U:Seine Pünktlichkeit war beispielhaft.
  • A:Außer Selbstverständlichkeiten war mit ihm nichts los.
  • K:Schlechte Leistung.<
  • U:Er verstand es, die Aufgaben mit vollem Erfolg zu delegieren.
  • A:Drückte sich, wo er konnte.
  • K:Einen Drückeberger einstellen?
  • U:Seine gesellige, freundliche Art war geschätzt.
  • A:Spielte die Betriebsnudel und trank übermäßig.
  • K:Prost, Gemeinde!
  • U:Seine Toleranz im Kollegenkreis war bekannt.
  • A:Schwieriger Mitarbeiter für die Vorgesetzten.
  • K:Vorsicht - Cliquenbildung möglich!
  • U:Er verfügt über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.
  • A:Mit großen Sprüchen wird das geringe Fachwissen überspielt.
  • K:Sie werden von dem Mitarbeiter keinen großen Nutzen haben.
  • U:Neuem gegenüber war er beachtlich aufgeschlossen.
  • A:Aufgeschlossen ja, aber nicht, um es zu nutzen.
  • K:Für Neuentwicklungen wenig brauchbar.
  • U:Er hat die Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst.
  • A:r hat geklaut oder andere schwere Unkorrektheiten begangen.
  • K:Unsicherer Mann, nicht einstellen!
  • U:Er hatte sehr gute charakterliche und menschliche Eigenschaften und wurde ein beliebter Mitarbeiter.
  • A:Bei Fehlen von fachlichen Beurteilungen: als Vorgesetzter ungeeignet.
  • K:In untergeordneter Stelle brauchbar.

Zur Beachtung

Natürlich gelten derartige Umschreibungen, Aussagen und Klartexte auch für Damen! Man ist da keineswegs so höflich, netter zu formulieren. Zeugnisaussagen sind knallharte Informationen, die den anderen Arbeitgebern Schwierigkeiten ersparen sollen.

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